Geburtstag

Nina hat Geburtstag. Alle Freundinnen sind  gekommen, nur Hanna ist noch nicht da, aber die kommt meistens zu spät. Vorgestern war sie sogar zu spät in die Schule gekommen, aber sie musste ja auch noch ihren Bruder in den Kindergarten bringen, weil ihre Mutter krank war.

Nina wartet auf noch jemanden. Ihre Oma aus Berlin hat ihr noch gar kein Paket geschickt. Fast die ganze Zeit läuft Nina auf und ab und schaut aus dem Fenster, als könne sie das gelbe Postauto herbeizaubern. "Nun musst Du dich aber auch um die Gäste kümmern," hört sie ihre Mutter sagen, aber dann klingelt es. Nina rennt so schnell an die Tür, dass sie fast ihre Mutter umgerannt hätte, die gerade mit einer großen Kanne Saft aus der Küche kommt. "Pass doch auf!" Schimpft die Mutter, aber Nina hört es kaum. Sie reißt die Tür auf  - und macht ein enttäuschtes Gesicht. "Herzlichen Glückwunsch!" Das ist natürlich nicht der Postbote, sondern ihre Freundin Hanna. "Du scheinst dich über meinen Besuch nicht besonders zu freuen," sagt Hanna und macht nun auch ein enttäuschtes Gesicht, "so spät ist es doch auch noch nicht!" Nina bekommt auch ein Geschenk, eine neue Taschenlampe, die sie sich so sehr gewünscht hatte. "Danke!" ruft sie und kann schon wieder lachen. "Nun gibt es Kuchen," Mutter singt es fast, "und nun warte nicht mehr auf den Postboten, der kommt bestimmt erst morgen".

Alle machen sich über den Kuchen her und freuen sich auf die Spiele. Da klingelt es an der Türe. Nina will erst gar nicht hingehen, der Postbote kann das wohl nicht mehr sein , doch ihre Mutter sagt: "Mach  mal eben auf, das ist bestimmt die Nachbarin, die den Kindersitz zurückbringt, den sie sich von uns ausgeliehen hat." Nina geht an die Tür und kaut noch an einem Stück Obsttorte. Sie hält ihre Hand schon hin und erwartet den Glückwunsch der Nachbarin, aber statt der Nachbarin sieht sie sich einem  Mann gegenüber, der eine riesige Rolle bei sich trägt, die er nur mit Mühe tragen kann. Schweißperlen stehen auf seiner Stirn.  "Ich habe hier ein Paket aus Berlin für Nina Reinke!" stöhnt der Mann und legt die große Rolle auf den Boden. "Das bin ich," schreit Nina und bedankte sich knapp. Erst will sie versuchen, die riesige Rolle alleine ins Zimmer zu tragen, aber es gelingt ihr nicht. Alle Geburtstagsgäste müssen kommen und ihr beim Tragen helfen.   

Nun ist sie richtig aufgeregt, das lange Warten hat sich gelohnt! Zuerst will sie das Papier, mit dem die riesige Rolle eingewickelt ist, ganz vorsichtig öffnen, aber dann kann sie es nicht mehr aushalten. "Das ist bestimmt das Fernrohr, das ich mir von Oma gewünscht habe," lacht Nina und fetzt das Papier vom Geschenk. "Oh nein!" schreit sie ganz entsetzt, "das ist ja nichts weiter als ein alter Teppich!"

Tränen rollten ihr über das Gesicht und sie ärgerte sich so, dass sie gar nicht den Brief bemerkt, der im Teppich eingerollt war. "So ein doofes Geschenk von Oma ", schmollt sie und kümmert sich dann wieder um ihre Geburtstagsgäste, obwohl es ihr sehr schwer fällt.

Hanna kannt nicht so ganz fassen, dass Ninas Oma nur so einen ollen Teppich geschickt hat, aber da sie eigentlich aus jeder Sache etwas zum Spielen machen kann, rollt sie den Teppich aus und setzt sich mitten drauf. So zum Spaß sagt sie "Teppich fliege," und fast wäre sie gleich umgefallen, und zwar ein wenig vor Schreck und ein wenig, weil der Teppich sich wirklich in Bewegung setzt und mit ihr durch das Zimmer fliegt. "Teppich lande," spricht sie und der Teppich landet wieder. Das haben die anderen Kinder natürlich gesehen und umringen sie ... und den Teppich. "Wir wollen auch fliegen!" Alle drängen sie auf den Teppich und Nina, das Geburtstagskind ruft "Teppich fliege!" Der Teppich hebt sich tatsächlich in die Luft und saust mit den Kindern durch das Zimmer, immer um die neue Hängelampe herum. Die vielen Kinder scheinen ihm nichts auszumachen.

"Wollt ihr wohl sofort wieder runterkommen!" Die sich überschlagende Stimme stammt von Ninas Mutter, die gerade wieder ins Zimmer kommt. Gehorsam sagt Nina: "Teppich lande!" und der Teppich setzt sofort zur Landung an. Leider an einem nicht so geeigneten Ort, denn sie landen mitten auf dem  Geburtstagskaffeetisch und platschen auf die Torte. "Nun aber raus," schimpft Ninas Mutter,"ich muss erstmal alles aufräumen und saubermachen, ..."und abends rufe ich Oma an, dass sie den Teppich wiederhaben kann!"

Die Kinder ziehen sich an, stecken sich noch einige Bonbons ein und Trinkpäckchen und gehen mit dem Teppich nach unten auf die Wiese.

Weil das Wetter sehr gut ist, spielen noch viele andere Kinder draußen, auch die frechen Jungs der Nachbarn, die sich manchmal einen Spaß daraus machen, die Mädchen zu ärgern. Auch diesmal machen die sich lustig.

Das Lachen und Rufen bleibt ihnen aber im Halse stecken, als sich Nina und die Geburtstagsgäste auf den Teppich setzen und sich mit ihm in die Luft erheben. Sie sausen durch die Luft und drehen sogar noch eine Ehrenrunde mitten über den Köpfen der Jungs. Hier draußen, wo keine Gefahr besteht, mit der Wohnzimmerlampe zusammenzustoßen, lernen sie schnell, mit dem fliegenden Teppich umzugehen. Aber es ist ja auch nicht schwer: "Teppich fliege" - und er hebt sich hoch in die Luft. "Teppich lande" - und er landet sofort ganz sanft. Zieht man ein wenig an den Fransen auf der linken Seite, fliegt er nach links, zieht man an den Fransen der rechten Seite, fliegt er nach rechts.

Die Mädchen werden immer mutiger, fliegen höher und weiter - und dann wieder zurück. Die Mutter ist wohl mit dem Aufräumen fertig, denn sie kommt nach draußen: "Kommt Kinder, wir wollen doch noch ein paar Spiele machen".

Aber dazu haben die Kinder nun keine Lust. "Wir wollen lieber noch etwas fliegen", rufen sie von oben und sausen davon.

Nun beginnen sie, den Ort von oben zu erkunden. Sie sehen die Häuser, in denen sie wohnen, sie sehen die Schule, den Spielplatz und das Schwimmbad. Alles sieht so klein und niedlich aus von oben, fast wie eine Spielzeugstadt.

Sie fliegen nun noch etwas weiter, haben die Stadt längst verlassen, fliegen über Seen und Wälder, dann wieder über Städte und Dörfer und dann über ganz riesige Wälder, die sie noch nie gesehen haben, und schon gar nicht von oben.

Als sie so weit geflogen sind, dass es ihnen schon fast langweilig wird, sehen sie in der Ferne ein Schloss, das aussieht wie ein Märchenschloss. Sie beschließen, es sich näher anzusehen und dann zurückzufliegen, denn es ist schon spät. Da sich das Gebäude mitten im dichten Wald befindet, ist es schwierig, eine geeigente Stelle zum Landen zu finden. Sie suchen eine Weile und wollen schon fast aufgeben und zurückfliegen, da entdecken sie doch noch einen Platz, an dem der Wald nicht ganz so dicht ist. Behutsam setzen sie zur Landung an.

"Den Teppich verstecken wir lieber im Gebüsch", schlägt Nina vor, "nicht, dass er gestohlen wird". Sie rollen den Teppich zusammen und bedecken ihn mit ein paar Zweigen und Ästen.

Im Wald ist es ganz schön dunkel. Das liegt nicht nur daran, dass die Bäume so dicht stehen. Dunkle Wolken sind vor die Sonne gezogen - in der Ferne hört man sogar ein Gewitter. Sollen sie nicht lieber sofort zurückfliegen? Als es auch noch anfängt zu regnen, wollen sie doch lieber im Schloss Unterschlupf suchen. So machen sie sich zu Fuß auf den Weg. Als sie das Schloss schon fast erreicht haben, springt ein Eichhörnchen auf sie zu. Sie erschrecken sehr, als das Eichhörnchen mit menschlicher Stimme zu sprechen anfängt: "Guten Tag, wo wollt ihr hin?"

"Wir wollten zum Schloss", entgegnen verwundert die Kinder. Das Eichhörnchen rät ihnen davon ab. "Da wohnt ein Zauberer", sagt es und springt auf den nächsten Baum, dann immer weiter und ist bald darauf nicht mehr zu sehen.

Die Kinder bekommen es nun doch ein wenig mit der Angst zu tun und wollen wieder zum Teppich zurückkehren, doch es regnet immer mehr. Auch der Donner wird lauter und lauter - und Blitze zucken am Himmel. So sind sie wohl gezwungen, im Schloss zu warten, bis das Gewitter fortgezogen ist.
Schon haben sie das Haupthaus erreicht und klopfen an die Türe, erst zaghaft - und als ihnen keiner öffnet, kräftig und laut. Drinnen hören sie Schritte und endlich wird die Tür geöffnet. Eine freundlich aussehende Frau fragt sie, was sie wollen. Die Kinder erzählen von dem schlechten Wetter und bitten darum, bis zur Wetterbesserung im Schloss warten zu dürfen. Die Frau hat nichts dagegen. Die Kinder werden in einen Raum mit goldenen Leuchtern geführt und bekommen etwas zu essen und zu trinken. Sogar ein großes Bett steht in dem Raum, in dem sie sich etwas ausruhen können. Sie sind wohl recht müde vom langen Flug und schlafen bald darauf ein. In der Nacht erwachen sie. Es ist stockfinster. Nina ist froh, dass sie die Taschenlampe dabei hat.

Die Kinder überlegen, ob sie sich einfach aus dem Schloss schleichen sollen, schließlich hat das Eichhörnchen etwas von einem Zauberer erzählt. Doch aus dem Kamin hören sie Geräusche, die sie neugierig machen. Sie krabbeln aus dem Bett, um den Kamin näher zu untersuchen. Sie leuchten mit der Taschenlampe hinein und stellen fest, dass der Kamin wohl der Anfang von einem Geheimgang ist. Ganz weit hinten in der Ferne sehen sie ein Licht.

Es ist wohl Hanna, die die Idee hatt, den Geheimgang zu erkunden. So schleichen sie vorsichtig in Richtung auf das Licht in der Ferne. Sie haben die Taschenlampe etwas abgedunkelt, indem Nina ihre Hand etwas vor den Lichtkegel hält. Das Licht in der Ferne wird immer deutlicher und reicht nun auch etwas in den Geheimgang hinein. Sie können die Taschenlampe ganz ausschalten. Das Licht kommt von einem Raum, in dem sich die Frau befindet, die ihnen die Tür aufgemacht hat. Sie spricht mit einem Mann. Beide hantieren mit kleinen Löffeln und Gläsern sie scheinen etwas zu kochen, denn die Frau sagt: "Nimm von diesem Pulver noch etwas!"

Dann verschwindet die Frau kurz und kommt gleich wieder zurück. Sie schleppt einen Sack, der sehr schwer sein muss, denn sie stöhnt. Den Sack lässt sie mitten im Raum stehen. Nina kann ganau sehen, was auf dem Sack steht und sie bekommt einen Riesenschreck!
ZAUBERSALZ - nun ist es wirklich an der Zeit, den Teppich zu suchen und zurückzufliegen. Sie flüstert mit den anderen Kindern und schärft ihnen ein, ganz leise zu sein.

Aber war soll man machen, wenn man plötzlich niesen muss???
Hatschi macht Nina ganz laut. Nun sind sie entdeckt! Sie wollen schnell davonlaufen, aber der Gang scheint auf einmal versperrt. Sie können nicht mehr weiter! Die Frau ruft sie. Da wissen sie keinen anderen Rat, als in den hellen Raum zu gehen, wo die Frau und der Mann mit dem Zaubersalz zugange sind. "Was macht ihr in dem Gang?" Den Kindern fällt keine rechte Antwort ein. "Wir wollten... begann Nina, aber bringt den Satz nicht zuende. "Ihr wollt bestimmt probieren, ob das Zaubersalz auch verzaubern kann?"

Die Frau wartet keine weitere Antwort ab. Stattdessen nimmt sie etwas Zaubersalz in die Hand und streut es auf die Kinder. Dazu murmelt sie einen Spruch. "Und nun verschwindet!" ruft sie, und zwar auf dem selben Weg, wie ihr gekommen seid. Ich habe keine Lust, mit euch durch das ganze Schloss zu laufen."

Die Kinder gehen in den Geheimgang, der wieder offen ist. Sie leuchten mit der Taschenlampe und haben das Zimmer, von dem sie gestartet sind, schnell erreicht. Draußen ist es schon ein wenig hell. Hanna zieht die Vorhänge weg und öffnet das Fenster ein wenig. Dann fängt sie an zu lachen. "Nina, wie siehst Du denn aus, Dir wachsen überall Federn!" Auch die anderen Kinder lachen, aber nicht lange, dann sind sie mucksmäuschenstill und sind sehr erschrocken. Allen Kindern sind schwarze Federn gewachsen - und bald darauf sehen sie aus wie schwarze Rabenvögel!
"Schnell hier fort", will Nina sagen, aber es ist nicht mehr als ein heiseres Krächzen. Trotzdem scheinen die anderen Kinder sie zu verstehen. Nina schwingt sich auf das Fensterbrett und von dort durch das geöffnete Fenster hinaus. Die anderen Kinder folgen. Sie können fliegen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Wo sollen sie nun hinfliegen? Nach Hause - das wäre wohl das beste. Den Weg kennen sie ja noch, schließlich sind sie mit dem fliegenden Teppich gekommen.

So fliegt eine Gruppe schwarzer Rabenvögel über den großen Wald, über Seen und Flüsse, dann wieder über Wälder, dann über Dörfer und Städte und erreicht schließlich die Heimatstadt. Auf dem Spielplatz sammeln sie sich noch einmal, um sich zu verabschieden.

Jeder fliegt dann zu sich nach Hause.

Nina landet auf dem Fensterbrett des Küchenfensters. Drinnen kann sie ihre Mutter und ihren Vater sehen. Sie sitzen am Küchentisch und reden über etwas. Vorsichtig klopt Nina mit dem Schnabel gegen das Fenster. Ihr Vater steht auf, um das Fenster zu öffnen. Sie freut sich, gleich wird er sie hineinlassen. Doch nein, er hat eine Zeitung in der Hand, reißt das Fenster auf und fuchtelt wild mit der Zeitung herum. Nina fält vor Schreck vom Fensterbrett, und kann sich nur mit einem heftigen Flügelschlagen vor dem Absturz retten. Sie macht noch einen Versuch, landet wieder auf dem Fensterbrett. Der Vater hat das Fenster einen kleinen Spalt offen gelassen. Das ist die Gelegenheit: "Ich bin es, lieber  Vater, Nina", will sie sagen, aber aus ihrem gelben Schnabel kommt wieder nur heiseres Rabengekrächze. Der Vater springt wieder auf, fuchtelt mit der Zeitung und schließt dann krachend das Fenster.
Nina hat sich wieder erschrocken und flattert mit den Flügeln. "Es hat keinen Sinn", denkt sie und fliegt fort. Wohin soll sie sich nun wenden? Sie fliegt wieder zu dem Spielplatz, auf dem sie sich von den anderen Kindern verabschiedet hat.

Da sitzen schon ein paar andere traurige Rabenvögel. Einem kullert sogar eine Träne aus dem Auge. "Erzähl mal," sagt sie, "wie ist es Dir ergangen?"

"Ich habe am Fenster meines Bruders geklopft", krächzt Hanna, aber der hat das Fenster aufgerissen und hat mit dem Katapult auf mich geschossen, das er sich verbotener Weise von seinem Taschengeld gekauft hat. Fast wäre ich abgestürzt!"

Den anderen Kinden ist es nicht besser ergangen. So kann es nicht weitergehen!
"Wir fliegen zurück zum Zauberschloss", sagt Nina. Der Zauberer muss uns zurückverwandeln".

So machen sie sich auf den langen Weg zurück zum Zauberschloss. Als sie es nach langem Flug erreicht haben, sehen sie von oben, dass eine Kutsche vor dem Schloss steht. Es dauert nicht lange, dann kommen die Frau und der Zauberer, besteigen die Kutsche und fahren davon.

Ganz enttäuscht wollen die Kinder sich abwenden, da entdeckten sie, dass das Fenster des oberen Zimmers noch offen steht. Ganz vorsichtig fliegen sie hinein und gehen in den Geheimgang. Sie ereichen das Zauberzimmer. Der Sack mit Zaubersalz steht noch mitten im Raum - doch er ist verschlossen. Wie sollen sie den festen Knoten lösen?

Sie haben aber Glück; etwas Zaubersalz ist danebengefallen. Hanna nimmt ein paar Körnchen davon in den spitzen Schnabel und streut sie auf Nina. Dazu fällt ihr selbst ein Zauberspruch ein: "Und ganz geschwind - bist Du wieder ein Kind". Ein paar Minuten später steht Nina in ihrer gewohnten Gestalt vor ihr. Die kann nun den Knoten am Sack mit dem Zaubersalz öffnen und auch die anderen Kinder zurückverwandeln.

Sie befühlen sich und beklopten sich. Sie können das Glück kaum fassen!

Fast überhören sie das Pferdegetrappel unten im Hof! Doch gerade noch rechtzeitig können sie verschwinden, bevor der Zauberer zurückkommt.

Nina bindet den Sack noch zu, denn der Zauberer soll es nicht sofort bemerken. Davor steckte sich sich noch eine Hand voll Zaubersalz in die Hosentasche. Vielleicht könnte sie ja mal in Verlegenheit kommen und das Salz benötigen.

Die Kinder gehen schnell und ganz leise zu dem Versteck, wo sie den Teppich zurückgelassen haben. Er ist tatsächlich noch da, versteckt unter Ästen und Zweigen.

Sie rollen ihn aus, setzen sich auf ihn und sausen schnell durch die Luft davon.

Als sie wieder zuhause sind, gibz es viel zu erzählen. Doch nach ein paar Tagen ist das Abenteuer fast vergessen und die Kinder gehen wieder in die Schule.

Die Mutter nutzt die Zeit, um Ninas Zimmer mal wieder gründlich aufzuräumen. Unter dem Bett findet sie dan alten Teppich und Ninas Hose. Die Hose steckt sie zusammen mit anderen Sachen in die Waschmaschine. Als sie den Drehschalter auf "30 Grad Buntwäsche" stellt, seufzt sie "ich wünschte, die Wäsche wäre schon gebügelt im Schrank".

Dann geht sie hinunter, weil sie den Müllwagen gehört hat. "Den allten Teppich werde ich mal schnell noch in die Mülltonne werfen, dann kann er keinen Schaden mehr anrichten". Sie wirft den Teppich in die Mülltonne und bedeckt ihn mit anderem Zeug. Dann kommen auch schon die Müllwerker und kippen den Inhalt in das Müllauto. Ninas Mutter ist beruhigt und geht wieder nach oben.

Komisch, die Waschmaschine ist gar nicht mehr zu hören. Ob die schon wieder eine Störung hat? Dabei hat der Vater sie doch gerade repariert. Sie gibt aber keinen Mucks mehr von sich. Nicht einmal abpumpen kann man. Es ist auch gar nichts mehr in der Waschmaschine! Der Vater muss bei der Reparatur einen Fehler gemacht haben - die Wäsche ist verschwunden, bestimmt verschlungen von der Maschine.

Dann kommt Nina aus der Schule. Die Mutter klagt: "Endlich habe ich die Hose, die Du an deinem Geburtstag anhattest gewaschen, aber die ist mit der anderen Wäsche plötzlich verschwunden". "Du hast was???" frage Nina entgeistert, die doch immer noch das Zaubersalz für alle Fälle in der Hose gehabt hatte. Dass ihre Mutter auch immer in ihr Zimmer ging und Sachen wegräumte, die eigentlich noch dringend gebraucht werden!

"Aber ich hoffe, den Teppich hast Du nicht gleich mitgewaschen", fragt Nina, "der würde bestimmt kaputtgehen davon".

"Nein", erwidert die Mutter leise, "den habe ich in die Müllabfuhr gegeben, damit er keinen Schaden mehr anrichtet. Wenn Du zum Fenster hinausschaust, kannst Du ihn noch vorbeifahren sehen". Das Müllauto hat so wie auch sonst immer am Ende der Straße gewendet und ist nun auf dem Weg in die Deponie.

Das ist die Gelegenheit: als das Müllauto genau am Haus vorbeifährt, reißt Nina das Fenster auf und brüllt mit aller Kraft: "Teppich fleige!"

Da erhebt der Teppich sich hoch in die Luft, fliegt aus dem Müllauto heraus und landet auf Kommando bei Nina auf dem Balkon. Leider fliegen auch ein paar Müllsachen mit aus dem Auto und die Müllfahrer bekommen etwas Ärger. Aber Nina backt für sie einen Kuchen, um sich zu entschuldigen. So ganz genau erklärt sie aber nicht, wie die Sachen aus dem Auto geflogen sind.

Ach ja, die verschwundene Wäsche findet die Mutter später getrocknet und gebügelt im Schrank. Das ist allerdings das einzige Mal, dass das Waschen auf diese Art und Weise geklappt hat.

© CPG 2015

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